Chile&Argentinien: Feuerland, Ushuaia 18.3.-24.3. – Unterwegs mit "El Burrito"
 

Chile&Argentinien: Feuerland, Ushuaia 18.3.-24.3.

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Feuerland, Ushuaia und das Ende der Welt…

 

18.03.2019 Montag/  Reisetag 149, Feuerland

Die Nacht war etwas unruhig, da wir an der Strasse neben dem Fahranleger standen und die LKWs doch recht laut waren. Der Wind hat nun richtig aufgefrischt, dafuer gibt es kein Regen mehr, sieht also ganz gut aus fuer die Ueberfahrt.

Nachdem wir den Hafen verlassen haben muss ich mein Urteil revidieren. Durch den Wind gibt es echt hohe Wellen, die sich auf der Maggelanstrasse aufbauen und das Schiff schaukelt ganz ordentlich. Gut das die Schiffsleute El Burrito noch richtig vertauet haben, sonst waere mir Angst und Bange geworden.

Je weiter die Ueberfahrt geht, um so stuermischer wird es und um so hoeher werden die Wellen. Die Gischt spritzt bei einigen Brechern ueber die 7m Hohe Laderampe, und das Schiff stampft und rollt! Nun koennen wir uns gut ausmalen, wie sich die Seeleute hier in diesem Gebiet auch damals gefuehlt haben, und dabei scheint heute die Sonne! Wir fahren gegen die Brecher quasi an Provenir vorbei und dann wird beigedreht, damit dann die Wellen von hinten kommen. In diesem Moment waren wir ein paar Augenblicke quer zur Duehnung, das war echt heftig! Ein wenig mulmig ist mir dann doch wegen El Burrtio geworden, der aber nur ueber und ueber mit Gischt bespritzt wurde. Im Hafen rollen wir an Land und merken erst jetzt so richtig wie stark der Wind geht!

In Porvenir steuern wir zunaechst das Heimatmuseum an, klein aber anschaulich. Die Geschichte der Ureinwohner und der ersten Siedler mit der quasi Ausrottung der Ureinwohner in der Folge. Artefakte und jede Menge Fotos der letzten 120Jahre konnten das gut veranschaulichen.

Dann geht es weiter die Kueste entlang mit fantastischem Blick auf die „Nutzlos-Bucht“, die zwar blau schimmert, aber wegen des starken Windes mit Schaumkronen uebersaeht ist.

Wir wollen am Ende der Bucht eine Pinuginkolonie besuchen, leider ist montags geschlossen. (Ob die Pinguine dann troztdem da sind kann ich nicht sagen!)

Wir suchen in der Gegend einen geschuetzten Platz und werden morgen bei den Pinguinen vorbeischauen!

19.03.2019 Dienstag/  Reisetag 150, Feuerland

Der Wind hat nachgelassen und blaest nicht mehr so heftig, was man auch an den fehlenden Schaumkronen in der Bucht erkennen kann. Puenktlich um 11Uhr oeffnet die Pforte und wir sind mit 2 anderen Deutschen die ersten, die als Besucher kommen. Ein Ranger erklaert uns einige grundlegende Dinge ueber die Kaiserpinguine, unter anderem, dass diese Kolonie die einzige ist, die man mit dem Auto besuchen kann. Alle uebrigen sind so verstreut um den 45-55 Breitengrad, dass man eine Expedition dahin braucht. Weiterhin sind wir erstaunt, dass die putzigen Tiere fast einen Meter Groesse erreichen.

Dann duerfen wir von windgeschuetzten Unterstanden aus die Kolonie beobachten. Ich hatte gehofft, dass man noch etwas naeher herankommt, aber die Tiere sollen ja durch uns nicht gestoert werden, schliesslich waren sie ja schon vor uns hier…Die Kolonie besteht aus ca. 70 Tieren und ist damit nicht sehr gross. Die Erwachsenen trompeten ihre Konversation, waehrend die in dickem braunen Pelz gehuellten Kinder sich mit Pfeifftoenen verstaendigen. Echt lustig zu beobachten, was die so treiben.

Dann geht es weiter, denn wir wollen heute noch Ushuaia erreichen. Dafuer muessen wir noch ca. 125 km bis zur argentinischen Grenze auf Schotter fahren und dann nochmal 55km bis zur asphaltierten Ruta 3.

Nach einer Stunde bekomme ich das Gefuehl das El Burrito etwas schwammig auf der Strasse liegt und wir muessen wieder mal einen fast platten Reifen wechseln. Der Ersatzreifen ist ja nun auch nur noch ein Notbehelf, weshalb ich ein wenig in Sorge bin, wegen der grossen Entfernungen zu irgendwelchen Doerfern. Nach 12km kommt ein Saegewerk, bei dem man auch tanken kann. Wir halten an und sehen, dass neben der Tankstelle eine Werkstatt ist, wo jemand arbeitet. Ich frage nach und wir koennen unseren Reifen hier reparieren lassen. Dieses Mal hat sich ein spitzer Stein zwischen dem Profil in den Reifen gebohrt. Der junge Mechanico macht das auch nicht zum ersten Mal und nach 20min ist der Reifen wieder fit. Wir fragen ihn, ob er uns den gleich wieder an die richtige Stelle montieren kann und er holt sofort den grossen Wagenheber und nach einer Viertelstunde sind wir wieder fahrbereit.  Was fuer ein Gluck im Unglueck, hier in der Einoede. Nach dem Schreck koennen wir einen Kaffee gebrauchen und fragen nach, man schickt uns in ein angrenzendes Gebauede. Die Sekretaerin ist sehr freundlich und begleitet uns in eine Art Aufenthaltsraum, wo wir den Kaffee dann in Form von Nescafee erhalten, umsonst als freundschaftliche Geste…echt nett.

Dann geht es weiter auf der Piste, die eindeutig besser ist als gestern. Erst nach der Grenze wir die Strasse deutlich schlechter. Die Grenze ist auch einzigartig, denn wir fahren an mehren kleinen Hauesern vorbei und halten dann vor dem Schlagbaum in Chile. Aus dem ersten Haus kommt dann ein Mann der uns begruesst und ich frage, wo das Buero ist. Er sagt da vorne und holt noch einen Kollegen aus dem naechsten Haus. Die beiden Grenzbeamten sitzen also bei sich zuhause und immer wenn ein versprengter Tourist diese Grenze passiert, dann gehen sie 2 Haeuser weiter ins Buero! Der eine nimmt die Fahrzeugpapiere entgegen, den der andere kuemmert sich um die Stempel in den Paessen, dann sind wir fertig und die gehen auch wieder nach Hause!!!

Auf der argentinischen Seite ist es fast das gleiche Schauspiel. Interessanterweise ist hier noch das System ausgefallen, so dass unser Grenzuebertritt manuell in einem Meldebuch erfasst wird! Der erste Kollege macht wieder das Papier fuer das Auto fertig und geht dann seinen Kollegen holen. Der macht die Stempel in die Reisepaesse und da er ein neues Datum auf dem Stempel einstellt, ist klar, dass wir heute die Ersten sind!!!

Erleichtert erreichen wir die Ruta 3 und koennen nun endlich Gas geben. Leider sind es immer noch 200km bis Ushuaia und langsam neigt sich der Tag dem Ende zu. Also suchen wir unterwegs einen Campingplatz mit heisser Dusche und lassen es dann fuer heute gut sein. (Dusche war heiss, aber eklig, alt und abgeranzt)

 

20.03.2019 Mittwoch/  Reisetag 151, Feuerland

Erst langsam wird uns klar, dass unser Campingplatzbereiber hier einen Abenteuersplplatz fuer die ganze Familie erbaut hat. Es sieht ein wenig aus wie auf dem Schrottplatz, aber alle Dinge haben doch ihre Funktion. Wir werden genauso herzlich verabschiedet, wie wir gestern begruesst wurden und es geht weiter nach Sueden…das schreibe ich nun das letzte Mal, denn weiter geht es dann ja  nicht…

Das Wetter wird zunehmend schlechter und es regnet dann durchgehend als wir die letzten Kilometer bis Ushuaia unter die Raeder nehmen. Die Strasse endet ca 20km hinter Ushuaia an der Kueste zum Beagle Kanal. Wie alle anderen Touristen fahren auch wir zunaechst dorthin. Die letzten Kilometer liegen in einem Nationalpark und die kassieren nochmal kraftig ab, denn jeder will ja das Ende der Welt sehen!

Auch im Regen machen wir das obligatorische Foto vor dem Schild mit dem Hinweis vom Ende der Strasse des amerikanischen Kontinents. Ein magischer Moment bleibt leider aus, dennoch bewundern wir die Szenerie mit den schroffen Klippen und Bergen um uns herum. Lange bleiben wir nicht, obwohl der Nationalpark mit etlichen gekennzeichneten Wegen zum Wandern einlaed. Nicht heute!
Auch wenn ein irgendwie erhabenes Gefuehl sich ncht einstellen will, so sind wir doch stolz, dass wir es bis hierher geschafft haben, Warscheinlich wird uns die Bedeutung dann erst spaeter deutlich.

Auf dem Rueckweg nach Ushuaia kommen wir am Golfplatz vorbei und treffen auf Guillermo, der hier Sekretariat, Proshop und Pro in einer Person repaesentiert. Er versichert uns, dass wir morgen zu jeder Zeit spielen koennen und da wir es ja eilig haben, wollen wir frueh los. Und wir koennen auf dem Parkplatz uebernachten, auch nicht schlecht.

In Ushuaia wollen wir essen gehen, das von uns auserkorene Restaurant hat aber erst wieder abends geoeffnet. Wir reservieren und schlagen uns die Stunden in Ushuaia in einem urigen Cafee, dem Heimatmuseum und durch Bummeln um die Ohren.

Wir essen heute Seafood vom Feinsten, Susi nimmt den  Schwarzhecht (Melusa negra) und ich nehme hausgmahte Nudeln mit Krebsfleisch von den King Crabs, die hier als Spezialitat angeboten werden. Wieder einmal eine top Empfehlung aus dem Reisefuehrer.

 

Anmerkung zur Rueckverschiffung: Erneut gibt es von der Reederei eine Terminaenderung, so dass der Agent uns fuer den 22.3. nach Montevideo bestellt, um alles noch zu erledigen. Fliegen kann El Burrito leider nicht und so versuchen wir den Agenten und unsere Agentur zu informieren, dass das jetzt ein Ding der Unmoeglichkeit darstellt. Wir bitte um Alterativvorschlaege.

 

21.03.2019 Donnerstag/  Reisetag 152, Feuerland

Gleich am Morgen werfe ich unser Internet an und schaue, ob sich jemand gemeldet hat. Das ist nicht der Fall, also sende ich jeweils eine Mail zur Reiseagentur und zum Agenten sich bitte dringend zu melden.

Dann gehen wir Golf spielen, denn das Wetter ist ok, kein Regen nur etwas dichtere Bewoelkung. Das ist schon komisch, so abgelegen hier zu golfen, wo es doch in Suedamerika sonst gar nicht so einfach ist, einen Platz zu finden, wo man spielen darf.

Nach 9 Loch ist klar, dass wir nur die Option haben ein Schiff spaeter zu nehmen, also spielen wir nochmal 9 Loch, jetzt haben wir ja Zeit und brauchen nicht zu hetzen! Leider wirken sich die Neuigkeiten nicht positiv auf mein Spiel aus!

Im Clubhaus essen wir noch etwas, bevor wir in Ruhe zusammenpacken und dann losfahren.

Ziel ist heute das ca. 200km entfernte Rio Grande. Wir sind froh darueber nun endlich keine Schotterpisten mehr fahren zu muessen. So gleiten wir entspannt ueber den Aspalt und geniessen noch einmal die wilde Landschaft von Suedfeuerland. Im Gegensatz zur Pampa im Norden sind hier noch die suedlichsten Auslaeufer der Anden, die die Landschaft praegen. Die Berge sind bewaldet und der einsetzende Herbst beginnt die Baueme zu faerben. Weiter oben koennen wir Schneefelder und Gletscher erkennen, obwohl die Berge gar nicht so hoch sind!

In Rio Grande ist niemand bei dem privaten Mini- Campingplatz, also stellen wir uns direkt an den Atlantik und erleben einen sehr farbigen Sonnenuntergang!

 

22.03.2019 Freitag/  Reisetag 153, Feuerland-Patagonien Festland

Durch die merkwuerdige Grenzziehung muessen alle Reisenden, die nach Norden wollen nocheinmal fuer eine kurze Strecke duch Chile, um dann wieder nach Argentienien einzureisen. Heute also zweimal das Grenzubertrittsprogramm. Aber es geht zuegig voran und auch die Ueberquerung der Magellanstrasse an ihrer schmalsten Stelle ist in einer halben Stunde erledigt. Es ist windstill, was hier sehr ungewoehnlich ist. Noch einmal muessen wir etliche Kilometer Schotterpiste fahren, die gluecklicherweise nicht so schlimm ist. Das erinnert mich an ein paar Hollaender, die das Fahren in Patagonien als langweilig beschrieben und sich nun in Richtung Norden absichtlich nicht asphaltierte Pisten aussuchen. Nun ja, jeder hat seine Vorlieben und vielleicht reden die ja nicht so gerne miteinander, denn auf den Pisten ist es so laut, dass man sich anschreien muss!

Dann sind wir wieder in Argentinien und koennen El Burrito rollen lassen. Wir schaffen es noch bis Rio Grande, wo leider alle Restaurants erst wieder um 20 Uhr aufmachen, ja so war es in Argentinien. Wir landen in einer Sportsbar, die geoeffnet hat, da gerade Argentinien gegen Venezuela Fussball spielt. Die Stimmung ist gedaempft, da Argentinien verliert, der Burger ist dennoch ganz gut!

Der Campingplatz ist 25 km ausserhalb und wir erreichen ihn erst nach Einbruch der Dunkelheit. Dabei faellt uns auf, dass unser Abblendlicht nur noch funzeliges Licht auf die Strasse wirft und wir wenig erkennen koennen. Das muessen wir unbeding einmal checken! Gut, dass wir fast nie bei Dunkelheit fahren.

Der Campingplatz ist geoeffnet, aber an der Rezeption sitzt niemand. Als wir dennoch hineinfahren, merken wir dass wir die einzgen Gaeste sind,  der Betreiber findet uns und heisst uns herzlich willkommen!

Anmerkung zur Verschiffung: Wir sind nun fest gebucht auf dem Schiff mit Abfahrt am 20.4., also koennen wir uns -wie schon vermutet- ein wenig Zeit lassen!

 

23.03.2019 Samstag/  Reisetag 154, Patagonien

Die warme Dusche erweckt die Lebensgeister wieder und es ist nicht mehr so kalt wie auf Feuerland. Nach dem Check des Lichts wird klar, dass wir eine Birne des Abblendlichst eingebuesst haben. Ich wechsle die mitgebrachte Birne beim naechsten Tankstopp. Heute ist die Landschaft sehr sehr eintoenig, denn wir fahren nur durch die Pampa. Links und rechts sind die Zaeune der Estancias und nur die vielen Guanacos die auch diesseits der Zaeune weiden beduerfen erhoehter Aufmerksamkeit, was man an den zahlreichen Leichen am Wegesrand erkennen kann. Immer mal wieder sehen wir auch einige Darwin Strausse, das ist dann schon alles. In San Julian halten wir noch einmal in einer kleinen Stadt, bevor es die naechsten Tage dann richtig einsam wird. Ein Spaziergang in der abendlichen Sonne ist wirklich mal schoen, direkt am Meer und ohne Regen oder Sturm…


4 thoughts on “Chile&Argentinien: Feuerland, Ushuaia 18.3.-24.3.”

  1. Friedrich Schildt sagt:

    Hallo Ihr Zwei,
    wie immer habe ich auch diesmal die Reisebeschreibung mit
    großem Interesse verfolgt und Euch bewundert !!!! Danke für
    die ausführlichen Berichte und die schönen Überblicke durch
    die Fotos. Es freut uns, daß jetzt auch der Rücktransport ge-
    sichert ist. Auf der weiteren Fahrt wünschen wir Euch keinen
    weiteren Stress und Schwierigkeiten. Bis zum Rücktransport
    habt Ihr ja noch vier Wochen. Sicher sind dann auch noch Tage zur Erholung möglich.
    Viele liebe Grüße von uns und auch für Euch eine gute
    Rückkehr.

    1. Chrisadmin sagt:

      Hallo Fiede,
      Danke für die guten Wünsche und wir hoffen nun auch auf ein gutes Ausklingen der Abenteuerreise.
      Grüsse bitte auch den Rest der Mannschaft…
      Christian

  2. Daniel sagt:

    Hallo Ihr Beiden!
    Hier solltet Ihr am Ende ein Buch draus machen – einfach fantastisch!
    Mir scheint – als Reifenhändler in der Region hat man ein gutes Auskommen 😉
    Euch noch viel Spaß – und kommt gesund zurück!
    Liebe Grüße Daniel

    1. Chrisadmin sagt:

      Hi Daniel,
      Danke für die Blumen…manchmal kostet es hier schon Überwindung jeden Tag ein paar Zeilen zu schreiben, aber wenn wir das nicht machen, wissen wir am Ende selber nicht mehr was alles passiert ist. Denn es passiert immer was…bleib dran und bis bald…
      Chris

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